Zuschauerschutz

Für alle Breitbandmedien könnte für die nahe Zukunft ein „Zuschauerschutz“ erforderlich werden. Nutzerschutz, Privatheitsschutz und nicht zuletzt Informationsfreiheit könnten zusammengenommen einen Diskurs darüber erforderlich machen, ob aus Verfassungssicht beim Ausbau unserer Breitbandinfrastruktur das „anonyme“ (auch lokations-anonyme) Empfangen von verschiedenen Rundfunksendern auch über alle Netzdienste hinweg möglich bleiben muss. Eine Leitfrage hierzu ist "Save the Broadcast"?

Eine Untersuchung im Zuge eines neuen Leitbilds "Zuschauerschutz" könnte auch für weitere Problematiken des auch nur passiven Zuschauens (z.B. Smart TV im Hybrid Broadcast Broadband TV, Digitaler Bilderrahmen mit autonomer Mobilfunkanbindung; Person-to-Person Videofonie, Webcam-Aktivierung) Regulierungsnotwendigkeiten aufzeigen.

Hinreichend anonymen Broadcast können derzeit nur noch Funksender, Satellitensender und das TV-Kabelverteilnetz (mit ausreichender Programmwahl an einer Settopbox) zur Verfügung stellen. Bei den Hybrid-Lösungen mit Rückkanal (sog. Triple-Play im Kabelnetz) werden Nutzungsdaten des Endgeräts zum Sender übertragen und können exakt ausgewertet werden.

Während dieser Umstand in den meisten Ländern nur im Zusammenhang mit einem "Zuschauer-Screening" und dessen Implikationen für den gesamten Werbemarkt beachtet werden muss, können in anderen Ländern staatliche Stellen solche Datenauswertungen unmittelbare Repressionen für den Zuschauer induzieren (vgl.  Netzwelt nur für lupenreine Demokratien?, in Klumpp, D., Leitbildkonvergenz in der Netzwelt, Berlin 2010, S.339ff).